Island mIt „deutsche see“

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ISLAND MIT „DEUTSCHE SEE“ 18.–21.9.2017

UMAMI...
oder „FROM NOSE TO TAIL“

“Wie wird das Wetter auf Island?” – „Warte 5 Minuten!“
Eliza erzählt uns, daß ein amerikanischer Fotograf einmal zwei Wochen auf Island fotografieren wollte. Nach einer Woche reiste er ab. Warum? Aus Erschöpfung! Immer, wenn er sich ausruhen wollte, hat wieder das Licht gewechselt oder die Stimmung, und er mußte einfach weiter fotografieren. Er kam nie zum Schlafen.

So ging es uns auch...auf dieser Reise kamen wir fast nicht zum Schlafen, und es ist nur der guten Organisation der Deutsche-See-Mitarbeiter Jan und Felix und der relaxten, kompetenten Eliza Gudmundsdottir zu verdanken, daß diese Fülle an Informationen und Erlebnissen in zwei Tagen möglich war.

Unser Programm sah ungefähr so aus, so weit ich nach diesen zwei intensiven Tagen rekapitulieren konnte:

nach der Ankunft schnelles „Welcome „ mit Drink im Pool in der „Blauen Lagune“

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Abendessen im „“Mattur op Drykkur“(„Essen und Trinken“) mit Dorschkopfnächster Morgen schneller Flug zu den „Westmänner-Inseln“ mit Frühstück bei „VSV“ (mit einem Buttermesser für 19 Personen)

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relativ schnelle Inselrundfahrt mit Ebbi und Mittagessen bei „Gott“

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mit dem Schnellboot zum schnellen „Golden Circle“

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Abendessen im „ION“ – Hideaway für Design-Lovers mit Hang zur Einsamkeit

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ab 0 Uhr schnell schlafen
Mittwoch morgen: schneller Fischkurs bei „GRANDI“

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Kochkurs mit Johannes Stein Johannesson und Bjaerni Jacobson

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schnell Souvenirs kaufen bei „99 North“

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laaangsames Abendessen mit „Stern“ im „DILL“

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ab 24 Uhr: schnell schlafen und um 5 Uhr früh schnell zum Flughafen aufbrechen (ohne Frühstück und ohne Buttermesser)

FISCH

1495 fuhren erstmals deutsche Boote bis nach Island, um in den reichen Fischgründen zu fischen, 1891 kamen die erstenTrawler aus Bremen, Bremerhaven, Cuxhaven und Hamburg. In den 70er Jahren hat Island erfolgreich den Schutz seiner 200-Meilen-Zone vor der Küste gegen England und die EU verteidigt, denn die Fisch-Industrie, heute eine High-Tech-Industrie, ist Islands wichtigster Lebenszweig vor dem Tourismus. Nur an 5 Tagen im Jahr fahren die Boote nicht raus aufs Meer, ansonsten wird immer gefischt, ca. 100-200 Tonnen pro Boot. Zumeist wird, wie bei GRANDI, einem der ganz großen Fischproduzenten in Island, direkt auf dem Schiff verarbeitet und auf speziellen Hochseebooten auch gefrostet. Frischer Fisch verläßt Island am Freitag Richtung Rotterdam, kommt Montag früh dort an und ist Dienstag schon beim Distributor. Die Preise ermitteln Auktionen. Die Fischer auf den Booten, die einen der härtesten Jobs der Welt machen, werden prozentual am Fang beteiligt (allerdings muß sich der Fang nach dem Bedarf richten. Rotbarsch bringt mehr Geld, aber wenn Kabeljau verlangt wird, dann wird auch Kabeljau angelandet...Der Manager David bei GRANDI erzählt sogar von den „shopping-lists“ der Supermärkte, die bestimmte Angebote für Wochen voraus planen, und dann muß der Fisch dafür eben da sein).

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Die Firma VSV Vinnslustödin auf den Westmänner-Inseln wurde 1946 von 105 Fischern als Cooperative gegründet, um am Markt bestehen zu können und ist der Hauptarbeitgeber auf den Inseln. Hier ist das Leben wenig abwechslungsreich, nur 4000 Einwohner leben auf der Hauptinsel und außer drei Geschäften und ein paar Pubs und Restaurants gibt es keine Abwechslung, außer auf verrückten Plätzen über Lavafelsen hinweg Golf zu spielen. Aber man verdient eben gut. Im Winter ist die Gefahr von Depressionen groß, zumal die Fähre nicht immer fahren kann wegen der Stürme, aber da muß man ja sowieso in 10-Stunden-Schichten in der Fischfabrik arbeiten, da ist Hauptsaison.

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Der Verdienst ist sehr gut in der Fischindustrie, nicht umsonst kommen die Mitarbeiter an den Bändern, auf den Schiffen und im Vertrieb aus 22 Nationen.

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Die Wassertemperatur um Island liegt im Winter bei 5°, im Sommer bei 10- 13°C. Es werden vor allem gefischt:
„pelagic“,d.h. im Mittelwasser unter der Meeresoberfläche: Makrele, Hering, Stichling, „groundfish“, d.h.in tiefer gelegenen Gewässern: Rotbarsch, Seelachs und Kabeljau.
GRANDI produziert auch Rogen vom Seehasen für Sushi, Jakobsmuscheln und Kaisergranat (Scampi).
Der verwöhnte Kunde in den Industrieländern verlangt immer mehr Fischfilet ohne Gräten und sogar „loins“ (das Filet vom Filet), meist ohne Haut. Deshalb muß sich die Fischindustrie immer neue Absatzwege für den Rest des Fisches überlegen: Fischleber als Fischöl und Fischmehl gehen als Lachsfutter nach Norwegen, Fischköpfe und Gräten nach Nigeria, aus der Fischhaut macht man Collagen für die Kosmetikindustrie, Fischköpfe liefert man auch nach Canada als Köder für den Hummer und das von den Gräten gepreßte Fleisch wird zu Nuggets und Fischstäbchen. Solveig und David von GRANDI formulieren das so: „We are as flexible as nature allows us.“

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Die Isländer kannten in ihrer eigenen Küche früher nur Schellfisch. Der wurde immer montags genauso lange gekocht wie die Kartoffeln dazu, war dementsprechend trocken, und man mußte viel Butter, oder billiger: Schafsfett, hinzugeben, um den Fisch runterzubringen.
David: „Und außerdem essen die Isländer sonst sowieso keinen Fisch, denn sie müssen ihn ja verkaufen.“
Ein isländischer Chefkoch wurde einmal gefragt: „Wann ist der Fisch eigentlich fertig?“ Seine Antwort war: „Wenn du denkst, daß er nicht fertig i
st, dann ist er fertig!“

Die isländische Fischindustrie hat auch sehr früh angefangen, den Fortbestand der Fischgründe zu sichern. „Sustainable and responsible fishery, temporary closure of fishing grounds , fishing quota, scientific research, responsible management“...das sind Schlagworte, die die isländische Fischindustrie heute charakterisieren, und eine Vielfalt von Labels, deren Inhalten sich die Industrie verpflichtet hat, dokumentieren dies.

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Fischfang um 1950 (aus dem Museum für Photographie in Reykjavik)

VOKABELN

Rotbarsch redfish Seehase lumpfisch Kabeljau cod
Seelachs
saithe
Fischöl
fish oil
Gräten
bones
Fischleber
fish liver Fischmehl fishmeal Kaisergranat langoustines Rogen roe

Makrele mackerel
Hering
herring
Schellfisch
haddock
Blauer Wittling
blue whiteling Stinte capelin

Rogen vom Kabelau - masago
loins skin-on, skin-off
Edelfilets mit Haut, ohne Haut
Seeigel
sea urchin
Muscheln
mussels
Lippe/Muskel/Schürze (d.Muschel)
lip/muscle/skirt (of the mussel) Kammmuscheln scallops
Umami
jap. Philosophie des 5. „perfekten“ Geschmacks, d.h. alles ist vereint: süß/sauer/salzig/scharf/bitter

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Frühstückspause in der Fischfabrik Stiefel runter, Schlappen an und dann in die Kantine (man beachte: die Stiefel befinden sich auf der „reinen Fabrikseite“, die Schlappen jenseits der Abgrenzung auf der „unreinen Alltagsseite“)

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aber...wie finden die bloß ihre Stiefel nachher wieder???

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Hafen auf den Westmännerinseln

SIGHTSEEING

Mit „Eagle-Air“ fliegen wir in 15 Minuten zu den WESTMÄNNER- INSELN. „Westmänner“ nannten die Wikinger früher ihre Sklaven, die sie in Irland, Norwegen und England gekapert hatten. Wegen des Genpools dieser Sklaven findet man in Island nicht nur blonde Menschen, sondern auch viele rothaarige und dunkle Typen.

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Unser Guide auf den Westmänner-Inseln heißt Ebbi und demonstriert uns gleich mal am Felsen der Papageientaucher (puffins) wie die Kinder trainieren, hier hoch zu klettern und die Eier der Vögel zu rauben, diese Kunst heißt „Spranga“.

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Ebbi über die Ernährungsgewohnheiten der Insulaner: „We eat everything that is alive on the island, except tourists...but sometimes...“
Zum Thema “Eier der Papageientaucher”: „We drink the egg and hope that nothing else is in it...“

Zum Thema “Tang”: “We dry the seaweed and eat it, but I don’t know how hungry the first guy must have been to get the idea to eat this...”
Zum Thema “Schafe”: Auf den Westmänner
-Inseln fressen die Schafe das Gras, das Gras ist gedüngt mit dem “birdshit” der Papageientaucher. Wenn das Lammfleisch von hier gut schmecken soll, muß man die Schafe erst mal auf’s „main land“ (auf die Hauptinsel) bringen und 6 Wochen auswildern, sonst schmeckt alles nach „birdshit“.

Zum Thema „Gemüse“: Es heißt ja immer, wenn man groß und stark werden will, müsse man Gemüse essen. „This is bullshit! We are all here big and strong and we only have fish and seaweed!
Und zum Thema “Wikinger”: Wieso waren die Wikinger so grausam und
töteten gleich die Leute? – „Because this was the Viking way of life!“

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Die Westmänner-Inseln haben selber kein Trinkwasser, es kommt mit einer Pipeline von der Hauptinsel.
Ein großer Vulkanausbruch 1973 hätte fast das Ende der Inseln bedeutet. Ein Einwohner konnte in jener Nacht nicht schlafen, weil sein Hund dauernd bellte. Er beschloß, mit dem Hund rauszugehen, um ihn zu beruhigen. Als er sich vor
dem Hauseingang umdrehte, sah er das glühende Licht der Lava am Berg. Er klingelte beim Nachbarn und meinte zu ihm: „Hey, there must be a volcano in my garden!“ Da begann die Lava schon zu fließen und die alarmierten Behörden ordneten Evakuierung der Einwohner zum Hafen an. Als einer nochmal nach Hause zurückgehen wollte, um Zigaretten zu holen, war sein Haus nicht mehr da. Alle Einwohner wurden evakuiert, samt Schafen und Pferden und konnten erst 5 Monate nach Ende des Ausbruchs in ihre Häuser zurückkehren, die meterhoch mit Asche bedeckt waren. Der Lavastrom drohte auch den Hafen zu blockieren, was das Ende der Fischerei bedeutet hätte. In einer gigantischen Rettungsaktion hat man Tag und Nacht die Lava mit Meerwasser zu kühlen versucht und erreicht, daß kurz vor dem Hafen der Lavastrom zum Stillstand kam. Heute ist diese Lavamauer ein guter Windschutz für den Hafen. Eine ganze Zeit nach der Wiederbesiedelung konnte man noch 30 cm tief im Garten ein Loch buddeln und Brot backen, so heiß war der Boden.
Um die Halden mit Lavasand zu stabilisieren, mußten die Kinder ein paar Jahre lang 3 Wochen ihrer Sommerferien opfern, um Grassetzlinge in den Sand zu pflanzen, Ebbi kann sich daran noch gut erinnern, aber diese Setzlinge sind nur ganz schwer angegangen. Bei starkem Wind hat man immer noch das Problem eines Lavasandsturmes.

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Wasserturm, zur Hälfte von der Lava niedergerissen

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Westmännerinseln

Der nächste Vulkanausbruch wird auf jeden Fall kommen, sagt Ebbi, „it isnot a question of IT, but a question of WHEN?“

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Roland im kleinen Inselmuseum, wo die Kinder einen Papageientaucher gerettet und gezähmt haben. „Oh, the puffin likes Roland!“

GOLDEN CIRCLE

Nach der Fahrt mit dem Schnellboot auf die Hauptinsel zurück, ging es auf die Route des GOLDEN CIRCLE, der Route der bedeutendsten, von Reykjavik in einem Tag zu erreichenden Sehenswürdigkeiten.

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Selfoss

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Gullfoss

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Geysir
„Foss“ heißt Wasserfall und „Geysir“ Springquelle. Der große Geysir gab diesem Naturphänomen auf der ganzen Welt den Namen.

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Die Ebene des „Pingvellir“, dem Versammlungsplatz der Wikinger, ihrem „Parlament“, wo die ganzen Stämme der Insel einmal im Jahr zusammenkamen (was für ein Einzugsgebiet!), um Recht zu sprechen und die bis dahin übliche Blutrache zu verhindern. Die Strafen waren für Verurteilte allerdings drakonisch: Frauen wurden im Wasserfall ertränkt, Männer erdrosselt.

Wir sind schon spät dran... ein einsames Auto fährt noch durch die nachtdunkle Ebene, ansonsten ist es vollkommen still.
Hier stoßen auch die tektonischen Platten, die amerikanische und die europäische aufeinander, ein großer Spalt ist dort zu sehen und eine Brücke führt uns von einer Erdplatte zur anderen.

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bis zu 100 Grad heiße Erde

KÜCHE

Unseren ersten Eindruck der islandischen Küche bekommen wir am Ankunftsabend im „MATTUR OG DRYKKUR“. Ich nannte das Lokal insgeheim für mich „hand-woven“, weil alles im guten alten traditionellen Stil gehalten ist. Rustikaler Charme mit Holztischen und Eisen, das Personal in handgewebtes Leinen gekleidet, das Essen serviert auf Holzbrettern und handgetöpfertem Geschirr, die Rezepte von einer alten isländischen Köchin aufgeschrieben.
Un
d wirklich „from nose to tail“! Der als Hauptspeise servierte karamellisierte Kabeljaukopf beweist es!

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Getrocknete Kräuter-Lammchips (sehr lammig!) mit Senfcreme, getrocknete Fish-Chips mit Molkebutter (whey-butter), getrockneter Seetang = seaweed (überraschend gut) mit Rogen und Skyr (isländ.Quark), dazu Craft-Beer mit Pflaumenaroma...

Well, the beer was quite „traditional“!

Danach: Kabeljau-Zungen fritiert mit Remoulade (wußte gar nicht, daß der Kabeljau eine zu separierende Zunge hat, schmeckte aber köstlich!).

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Kabeljaukopf in Hühnerbrühe gekocht und karamellisiert mit Birkensaftlikör, dazu Kartoffelsalat aus kleinen ganzen Kartoffeln mit Liebstöckel = lovage (war zum Fischkopf etwas zu kalt, aber gut).
Erstaunlich, was an so einem Fischkopf noch dran ist! Köstliches, feines
Inneres...okay, man muß mit der Gabel ein wenig suchen und der Teller schaut hinterher chaotisch aus, aber toller Geschmack! Und sehr sehr überraschend! Das Motto „from nose to tail“ war nicht übertrieben!

Als Dessert: Skyr mit Rhabarber Granità und gerösteten Haferchips und „twisted doughnuts“, sprich „Schmalzgebäck“. (Gute Idee, die Rhabarber-Granitá!)

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...so sah sie aus, die „hand-woven“ Lady mit dem Craft-Beer und dem Kochbuch in der Hand...

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Im „göttlichen“ Teil der Westmännerinseln gibt es ein kräftiges Mittagessen: cremige Fischsuppe mit viel Einlage (Scampi und Fisch), dann Kabeljau mit Panko-Kräuterkruste und einen Schokoladenkuchen. Deftige Kost für harte Männer (die wir nicht waren), von denen einer aber im Winter einen Schiffbruch überlebt und sich mehrere Tage über ein Lavafeld zur nächsten Fischfangstation geschleppt hatte. Ein medizinisches Wunder, das sich aus seiner körperlichen Konstitution und seiner Haut erklärte, die so dick war wie die Haut von Robben.

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Hommage an: “the good, the bad and the ugly“...nur echte Männer überleben hier!

Interessant bei “GOTT” ist auch die gesegnete Ruhe, die die Engel...äh... Bedienungen ausstrahlen. Die Hostien...äh... Brotscheiben, kommen zwar zum Schluß, aber es ist sehr erholsam zu sehen, daß auch ohne Streß eine 19-köpfige Pilgergruppe wohl versorgt werden kann. Und zu jedem Gang kommt der Chef, Gott persönlich, stolz aus der Küche und präsentiert das nächste Gericht. Sehr sehr sympathisch! So muß sich der Himmel anfühlen, wenn der nächste Vulkanausbruch vorbei ist!

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Nach dem touristischen Teil des Seminars, dem „Golden Circle“, in später Nachtfahrt vorbei an einem See, in dem wegen des eiskalten Wassers das Baden gesetzlich verboten ist, in dem aber 3 Sorten Forellen überleben, eine davon endemisch, essen wir zu Abend im „ION“, einem Designhotel mit Restaurant, das ganz einsam liegt und in dem man gut ein kuscheliges Wochenende mit seiner neuen Freundin verbringen könnte. Die Bar ist so großzügig konzipiert, daß man gemütlich bei einem Drink die Nordlichter beobachten kann und hinterher nicht mehr außer Haus muß!
Nach einem Welcome-Drink, der aus 80% Wodka und 20% einheimischen Beerensäften besteht, wanken wir zu Tisch, nicht ohne die großartigen Bilder der isländischen Post-Pop-Art an denWänden zu bewundern.
Es gibt Scampi mit Salat, Lammfilet und Orangensorbet auf crunchy Nüsse- Kies-Bett.

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Lammfilet

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Die „Schokoladen-Ganache“ auf dem Dessertteller war vielleicht ein wenig zu viel des Guten, aber man muß ja immer davon ausgehen, daß die Leute hier viel Kalorien verbrauchen draußen auf den arktischen Meeren und dementsprechend essen müssen.

Highlight des Seminars:
Kochen mit
JOHANNES STEINN JOHANNESSON

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der Meister himself in seiner original Jamie-Oliver-Küche am Herd

Dieser Mann war ein geniales Erlebnis! Sehr gut vorbereitet managte er das Kochen, das Einbinden der Gäste, das Probieren der vielen Einzelgerichte und das Erklären so leicht und locker, daß es für alle eine Freude war. Sein Assistent Bjaerne in gleicher Weise. Diese völlig unangestrengte Art der Isländer kann einen gestressten Festländer schon beeindrucken.

Amuse-gueule: kleine Kartoffeln mit karamellisierter Molke, Seehasenrogen, Kräutern und geriebener gerösteter Hühnerhaut (was für eine Idee!)

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Lachs kurz gegart bei 40°, dann flambiert auf isländischem Ricotta mit glasierten Tomaten und geröstetem Basilikum, dry bread

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Shrimps-Schiffchen (ich nannte sie für mich „Islandic Steamboat“) mit Meerrettich-Mayonnaise, Minigurken kurz gegart, Shrimps und als

„lava powder“ gemahlene getrocknete Algen

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denschaft ins Gesicht geschrieben,Assistent Bjaerne

Kabeljau im Algenblatt gebeizt mit Honig-Zitronensauce

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Langoustines mit Rosmarin gebraten in Butter und Meersalz, dazu Sauce von geröstetem Black Garlic in Mayonnaise

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so werden die Langoustines an den Rosmarin- Zweig gebunden, damit sie gerade bleiben

Jakobsmuscheln auf cremiger Sauce mit dem Inneren des Seeigels (sea urchin)

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Rotbarsch auf Essigzwiebeln mit Miso-Mayonnaise und Muschelschaum

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Rotbarsch „skin-on“
isländisches Lamm aus dem Ofen mit abgeröstetem Lauch

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Molke-Sorbet mit gehackter Schwarzer Schokolade und gecrashten Schoko- Chips als Anklang an Lavasand

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Impressionen aus der Küche

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Ein Schlußwort zu diesem Vormittag? Am meisten bewundere ich diese absolute Klarheit im Kochen von Johannes Steinn und Bjaerni. Klare Ansage, klare Linie, nichts Überflüssiges und jedes einzelne Gericht für sich genial. Chapeau!

Nach diesem Wahnsinns-Kochevent gab es 3 Stunden Pause zum Ausruhen oder Souvenirs in Reykjavik kaufen, dann ging’s zum Abendessen ins einzige 1-Sterne-Lokal auf Island, ins „dIll“.

Der folgende Text gibt nur die Meinung des Verfassers wieder und stellt keine Kritik an der Organisation und der Leistung der Deutschen See für diese Reise dar. Der Text ist rein subjektiiv geschrieben.

„dIll“ ? Ja, wie Dill!
Am Eingang des Restaurants
steht nur „DlLL“ an der Glastür, ansonsten ein Schaufenster mit großen Gurkengläsern, in denen eingelegte Sachen schwimmen, die ausschauen wie marinierte Elfen, getrocknete Trolle und fermentierte Algen. Ein vietnamesischer Heiler in der Altstadt von Hanoi hätte seinen Laden nicht besser dekorieren können.
Ein Fremder würde hier nie ein Sternerestaurant vermuten, aber das ist vielleicht auch die Philosophie des Hauses.
Innen: Düsternis, lavafarbene Wände, die uns wahrscheinlich daran erinnern sollen, daß wir froh sein können, nicht unter der Asche des Eyjafjallajöküll begraben zu liegen. Funzellichter, obwohl Energie hier sehr billig sein soll.

Wir müssen uns aufteilen. Eine Gruppe darf oberirdisch sitzen, die anderen in den Katakomben. Dort, wo auch die Küchensklaven schuften.
Und wirklich, ein Zombie nach dem anderen bedient uns, weißgesichtige, vernarbte Gesichter mit fettigen Haaren zu den hier so modischen Schwänzchen
„on top of the head“ gebunden, auch wenn gar nicht viele Haare zum Binden da sind, tätowiert an Stellen, die wirklich nicht mehr dekorativ aussehen, auch wenn man auf Tatoos steht, mit verschmierten Brillen und Ringen in der Nase. Alle bedienen stumm und regungslos bis auf unsere Sommelière Yasmin.

Wahrscheinlich sind die Zombies hier in der Küche am Fuß angekettet und werden nur frei gelassen, wenn sie bedienen müssen.

Als der erste Gang kommt, nein, das Amuse-gueule, wurde „eingedeckt“. Uns gefror das Blut in den Adern. Besteck und Servietten wurden in einem Keramikkrug auf den Tisch gestellt wie in einem bayrischen Biergarten!

Gut, das Amuse-gueule! Yasmin erklärt uns die Winzigkeiten. Andreas muß sein Handylicht einschalten, damit wir überhaupt etwas auf dem Teller erkennen. Hape Kerkeling hätte wahrscheinlich gesungen: „Winzischkeit kennt keine Grenzen...“ Irgendwo war eine Messerspitze Bacalao dabei, den Rest habe ich vergessen. Wenigstens gab es hierzu Champagner!

Sitzen müssen wir auf alten Erstklässler-Holzstühlen aus den 50ern, als die Schüler den Lehrern noch nicht widersprechen durften.
Für ein 3-stündiges Menü ist das ganz schön hart!

Dann kommen Lavasteine aus den Steinbrüchen der Trolle mit in Sesam gewälzten Fischstücken (glücklicherweise hat keiner eine Allergie, denn deklariert werden hier keine Zusatzstoffe) und zwei karamellisierten Karöttchen.

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Danach jagt ein Gang den anderen, ich habe das meiste vergessen.
Die begleitenden Weine beschreibt Yasmin halb auf Englisch, halb auf Deutsch, was sehr hilfreich war, als:

„rather herbacious“ (Sancerre) und „cloudy“ (EMMA, ein Biowein aus Italien, dessen Muskateller-Cluster im Ganzen auf der Maische vergoren wurde und nicht gefiltert, ein sog. „Orange“).
Die Trauben (Marinello, Corinna und Rondinella) des Amarone hatten eine
Weile „auf der Eiche verbracht“ und der Prosecco von Zanato war noch „al fondo“, d.h. mit kleinen Sedimenten angereichert.

Das war eigentlich recht interessant, ich habe aber nicht unbedingt verstanden, wieso in Zeiten des Klimaschutzes ein ungefilterter Muskateller-Cluster aus Italien nach Island gebracht werden muß, damit er dort mit einem Stückchen Fisch harmoniere.

Der Gipfel der Phantasie des Küchenchefs war aber das „home made sea-salt“! Auf meine Frage hin, was das sein solle, erklärt man mir todernst, man hätte zwei Sklaven aus der Küche ans Meer geschickt, um ein paar Eimer Meerwasser zu holen.Dann mußten diese das Wasser zwei Tage lang kochen lassen, bis das Salz übrig blieb.

Zu einem Gang gab es auch ein Bier aus einer „gypsy brewery“: irgendwelche Kreative gehen zu einer klassischen Brauerei, benutzen deren Infrastrukur und brauen in kleiner Menge eine Art „Craft beer“, das keinem schmeckt.

Schließlich gibt es als Hauptgang „wild goose“ mit dem Hinweis, daß diese Gans in freier Wildbahn geschossen wurde, wenn also noch Schrotkugeln zu finden wäre....sorry, sorry, sorry! Bei mir waren keine Kugeln drin, aber jede Menge Knochen in einem kleinen Stück Fleisch. Auch das hätten wir noch verzeihen, wenn die Gans denn warm gewesen wäre, aber die Philosophie des Kochs ist anscheinend derart, daß alles auf handgetöpfertem Keramikgeschirr serviert werden muß, und das wird halt sehr schnell kalt.

Selbst die an sich gut schmeckende Dashi-Brühe mit den Kohlstücken irgendwann dazwischen war kalt!

Alexander kommentiert das Ganze irgendwann dann so: „Wenn ich Rehrücken bestelle, dann will ich auch Rehrücken haben und keine 5 Variationen Sellerie.

Und Ralf meint zu den Wein-Erklärungen mitfühlend: „Ey, auch das deutsche Weingesetz kennt verdammt viele rules!

Das „Pre-Dessert“ gibt es schließlich auf Tomatenbett (!). Schade für das gute Buttermílch-Sorbet. Und das richtige Dessert ist ein Honig-Sorbet mit Erdbeeren und Bröseln von Trockenkuchen.

Danach brauchen wir alle den hiesigen Birkenschnaps.

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Danach jagt ein Gang den anderen, ich habe das meiste vergessen.
Die begleitenden Weine beschreibt Yasmin halb auf Englisch, halb auf Deutsch, was sehr hilfreich war, als:

„rather herbacious“ (Sancerre) und „cloudy“ (EMMA, ein Biowein aus Italien, dessen Muskateller-Cluster im Ganzen auf der Maische vergoren wurde und nicht gefiltert, ein sog. „Orange“).
Die Trauben (Marinello, Corinna und Rondinella) des Amarone hatten eine
Weile „auf der Eiche verbracht“ und der Prosecco von Zanato war noch „al fondo“, d.h. mit kleinen Sedimenten angereichert.

Das war eigentlich recht interessant, ich habe aber nicht unbedingt verstanden, wieso in Zeiten des Klimaschutzes ein ungefilterter Muskateller-Cluster aus Italien nach Island gebracht werden muß, damit er dort mit einem Stückchen Fisch harmoniere.

Der Gipfel der Phantasie des Küchenchefs war aber das „home made sea-salt“! Auf meine Frage hin, was das sein solle, erklärt man mir todernst, man hätte zwei Sklaven aus der Küche ans Meer geschickt, um ein paar Eimer Meerwasser zu holen.Dann mußten diese das Wasser zwei Tage lang kochen lassen, bis das Salz übrig blieb.

Zu einem Gang gab es auch ein Bier aus einer „gypsy brewery“: irgendwelche Kreative gehen zu einer klassischen Brauerei, benutzen deren Infrastrukur und brauen in kleiner Menge eine Art „Craft beer“, das keinem schmeckt.

Schließlich gibt es als Hauptgang „wild goose“ mit dem Hinweis, daß diese Gans in freier Wildbahn geschossen wurde, wenn also noch Schrotkugeln zu finden wäre....sorry, sorry, sorry! Bei mir waren keine Kugeln drin, aber jede Menge Knochen in einem kleinen Stück Fleisch. Auch das hätten wir noch verzeihen, wenn die Gans denn warm gewesen wäre, aber die Philosophie des Kochs ist anscheinend derart, daß alles auf handgetöpfertem Keramikgeschirr serviert werden muß, und das wird halt sehr schnell kalt.

Selbst die an sich gut schmeckende Dashi-Brühe mit den Kohlstücken irgendwann dazwischen war kalt!

Alexander kommentiert das Ganze irgendwann dann so: „Wenn ich Rehrücken bestelle, dann will ich auch Rehrücken haben und keine 5 Variationen Sellerie.

Und Ralf meint zu den Wein-Erklärungen mitfühlend: „Ey, auch das deutsche Weingesetz kennt verdammt viele rules!

Das „Pre-Dessert“ gibt es schließlich auf Tomatenbett (!). Schade für das gute Buttermílch-Sorbet. Und das richtige Dessert ist ein Honig-Sorbet mit Erdbeeren und Bröseln von Trockenkuchen.

Danach brauchen wir alle den hiesigen Birkenschnaps.

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Oder würden Sie den Typen neben Eliza als Bedienung einstellen? Nicht einmal die Wikinger hätten das getan!

Der Chef erschien auch nicht mehr, um sich für den Umsatz mit 19 Gästen zu bedanken. Es heißt, er wäre weitergezogen, ins NOMA. Dort schicken sie ihre Sklaven in den Wald, um die Kräuter fürs nächste Sterne-Menü zu sammeln. „Home-collected“ Birkenrinde inclusive!

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Auch in Island zeigt sich: der Trend geht zu „vegan“.
Molke, Algen, Seaweed, Skyr. Aber...was ist eigentlich vegan? „Vegan“ kommt aus dem Indianischen und heißt übersetzt:
„Zu blöd zum Jagen.“

Goldene Regeln für Island

Wenn du einmal Besteck in der Hand hast, festhalten!
Wenn du länger bleiben willst, tätowieren lassen.
Bordsteine gelten nicht für Busfahrer.
Steck‘ genug Geld ein, wenn du herkommst, am besten alle deine Kreditkarten. Wenn die Sonne scheint, macht dich die Landschaft betrunken,

wenn es regnet, depressiv.
Was macht man, wenn man sich in Island im Wald verläuft? Aufstehen!

Und die schönste Regel von allen, die „Alexander-Regel“:
wirf die Chromarganförmchen nicht weg. Wenn du kein Geld mehr verdienst mit deinem Restaurant, dann mach‘: Apfelschnee für busse !

Goldene Regeln für Island

Wenn du einmal Besteck in der Hand hast, festhalten!
Wenn du länger bleiben willst, tätowieren lassen.
Bordsteine gelten nicht für Busfahrer.
Steck‘ genug Geld ein, wenn du herkommst, am besten alle deine Kreditkarten. Wenn die Sonne scheint, macht dich die Landschaft betrunken,

wenn es regnet, depressiv.
Was macht man, wenn man sich in Island im Wald verläuft? Aufstehen!

Und die schönste Regel von allen, die „Alexander-Regel“:
wirf die Chromarganförmchen nicht weg. Wenn du kein Geld mehr verdienst mit deinem Restaurant, dann mach‘: Apfelschnee für busse !

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Michail Gorbatschow und Ronald Reagan 1986 im „Höfdi-Haus“.
Eliza sagt, Gorbatschow sprach kein Englisch und Reagan kein Russisch. Trotzdem waren sie dort im Höfdi-Haus zwei Stunden allein und danach war der kalte Krieg vorbei. So etwas kann nur auf Island passieren!

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Höfdi-Haus

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Blick vom Höfdi-Haus aufs Meer

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Reise zu den Kameliengärten von Nordportugal und Galizien... oder: Blümchen können auch anders!

Auf unserer Reise in eine wenig bekannte Region Europas, in den Norden der iberischen Halbinsel, haben wir sie in ihrer ganzen Pracht kennengelernt: die portugiesischen und spanischen Kameliengärten, atemberaubend angelegt in verwunschenen Parks, um alte Herrenhäuser herum, in botanischen Stadtparks oder einfach entlang der Straßen in den Dörfern und Städten als blühende Alleen. 

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Espetada – mein schönstes Ferienerlebnis...

Espetada“ – so heißt der Spieß aus Lorbeerholz, auf dem die Portugiesen auf Madeira Rindfleischwürfel grillen.
Und ich bekam unverhofft ebenfalls die Gelegenheit dazu!
Wie das kam?

Na ja, ich gönnte mir nach dem Jahreswechsel kurz entschlossen eine Woche Ausruhzeit auf Madeira, das erste Mal „all inclusive“ mit TUI, was ich noch nie gemacht hatte. Hinfliegen, ausruhen, im Hotel nix mehr bezahlen müssen und in den Tag hineinleben. Weil ich aber nicht der Typ bin, der gerne in seinem Hotelzimmer oder am Pool „abhängt“, organisierte ich mir diese Woche so, daß ich immer morgens irgend etwas unternahm, am frühen Nachmittag wieder im Hotel war, das großartige „all-inclusive“ Mittagessen noch genießen konnte und mich dann am Pool im Liegestuhl sonnte. 

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Where God put the West Part

A trip to the Balloon-Fiesta in Albuquerque - It’s only In AmerIca! 

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Deutschland entdecken - in Bonn

Ein Angebot des „Richard-Wagner-Verbandes“ Bamberg machte es mir möglich, Anfang September 2016 das Beethoven-Fest in Bonn, die Ruhr- Triennale in Marl und die „Pückler`sche Gartenkunst“ in der Bundeskunsthalle zu besuchen.

Mein Motto als „Frischling“ war: „Notizen eines unbedarften Laien“. Das Motto des Busfahrers Hermann war: „Never stop at Tank-und-Rast!“ 

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